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Warum gibt es bei VW unterschiedliche Lieferzeiten zwischen Deutschland und Dänemark?

Wie alle Automobilhersteller legt auch Volkswagen in einer jährlichen Produktionsplanung immer ein Jahr im Voraus fest, wie viele der in den Werken maximal möglichen Produktionsplätze den weltweit 153 Volkswagen-Ländern im Folgejahr zur Verfügung gestellt werden können. Als einer der wichtigsten Absatzmärkte bekommt Volkswagen Deutschland im Verhältnis zur Einwohnerzahl den wohl größten Teil davon. Nicht nur weil hier durch höhere Werksabgabepreise die besten Einnahmen erzielt werden, sondern weil deutsche VW-Kunden längere Lieferzeiten wie sie im Rest der Welt durchaus nicht unüblich sind, nur sehr eingeschränkt akzeptieren würden.

In der jeweiligen Produktionsplanung werden u.a. auf Basis der Vorjahresergebnisse und regional geplanter Verkaufsaktionen sowie marktspezifischer Besonderheiten mit der Volkswagentochter des jeweiligen Landes die Verkaufsziele des Folgejahres verabredet. Da insbesondere der erfolgreiche Volkswagen-Konzern saisonal und besonders wenn neue Modelle eingeführt werden mehr Aufträge als Produktionsplätze zu verzeichnen hat, sorgt dieser Verteilungsmodus für eine gerechte Versorgung bis in den kleinsten Absatzmarkt hinein. In Ländern wo der Absatz schwächelt, werden mehr Neuwagen ins sofort verfügbare Lager geliefert. Andere Länder, wie z.B. Dänemark, wo der Verkauf die geringsten Gewinne abwirft und wo mehr Neuwagen an deutsche als an dänische Käufer verkauft werden könnten, werden die jährlich verfügbaren Stückzahlen mit der spitzen Feder gerechnet.

Volkswagen Dänemark bekommt jährlich nur ca. 2 % des dem deutschen Vertrieb von der Produktionsplanung zugeteilten Verkaufszieles. Dieses gesamt-dänische Verkaufsziel (Kontingent bzw. Quote) wird je nach Umsatzstärke auf ca. 55 dänische Vertragshändler verteilt. Händlerorder gehen zum Jahresbeginn noch - wie bei den deutschen Kollegen fast ganzjährig üblich - unmittelbar an die Produktionsabteilung im Werk. Wenn ein einzelner Händler sich im Laufe des Jahres seinem "Verkaufsziel" vorzeitig nähert, schaltet sich VW Dänemark dazwischen und lässt diese Order gemäß der verabredeten Quote sofort, verzögert oder nicht durch. Dieses richtet sich danach, wie viele dänische VW-Händler sich auf der jeweiligen Zeitachse gleichzeitig dem "Verkaufsziel" genähert und somit die gesamt-dänische Quote ausgeschöpft haben.

Dies ist keine Schikane des Konzerns. Insbesondere dann, wenn bei einem populären Modell wie Sportsvan, Touran oder Passat Variant die Auftragsbücher randvoll sind, muss das Werk den Mangel verwalten. Ein wesentlicher Faktor ist dabei die saisonal bedingte, höhere Nachfrage in Deutschland oder die spezifische Nachfrage deutscher Kunden nach diesen beliebten Modellen. Zeitweilig stehen dann dänischen Autohäusern bestimmte Modelle bzw. Motor- oder Ausstattungsvarianten nicht oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. Da Volkswagen auch in Dänemark besondere Verkaufsaktionen für neu auf den Markt gekommene Modelle startet, sind vorhandene Lagerbestände häufig schon so zeitig abverkauft, dass dänische VW-Autohäuser noch nicht einmal Fahrzeuge für den Showroom zur Verfügung haben. Besonders dann, wenn die Werke durch hohe Auslastung im Lieferverzug sind.

Regelmäßig zwischen April und September arbeiten die VW-Werke weitestgehend die Frühjahresbestellungen der Kunden von umsatzstarken Vertriebsgebieten wie Volkswagen Deutschland ab. Volkswagen Dänemark ermuntert seine Händler daher, die wenigen noch zur Verfügung stehenden Kontingente eigenen dänischen Kunden zur Verfügung zu stellen. Bestellungen anderer Kunden werden in diesen Monaten kaum angenommen. Somit ergibt sich für deutsche VW-Kunden, die Ihre Frühjahrs-Bestellung im April über Volkswagen Dänemark günstig abwickeln wollen, durchaus schon mal eine Produktionszeit im Werk zwischen Oktober und November. Wer sich auskennt und einer kürzeren Lieferzeit entgegensehen möchte, bestellt antizyklisch seinen nächsten VW im preisgünstigen Dänemark erst nach den Sommerferien oder im Herbst.

Zum Jahresschluss lockert sich regelmäßig und auf wundersame Weise der Druck, der zwischen März und Oktober auf die dänischen VW-Kollegen ausgeübt wird. Erwartet Volkswagen in Dänemark ein schlechtes Jahresergebnis, sind deutsche Kunden willkommen. Dann dürfen auch verbotene Export-Kanäle bemüht werden, um die auflaufenden Lagerüberschüsse zum Jahresende zu bereinigen. Denn ab Oktober / November, wenn die Werke endlich die der dänischen Tochter zustehenden Stückzahlen liefern können, kaufen auch dänische Kunden lieber Weihnachtsgeschenke als Autos!

Über allem steht natürlich die Frage, warum Volkswagen seine Produkte in Dänemark erheblich preiswerter anbietet als im eigenen Land. Erst einmal stimmt das so natürlich nicht, denn der dänische Staat schöpft bei der Erstzulassung neben 25 % MwSt. zusätzlich noch einmal 140 % Zulassungssteuer ab. Damit verteuert sich für den dänischen Verbraucher der Nettopreis eines Neuwagen um das Dreifache. Weil der Staat schon alles nimmt, bleibt für die Automobilkonzerne kein Platz, hier selbst noch etwas herauszuholen. Im Gegenteil müssen die Preise vor Steuern zusätzlich herabgesetzt werden, um bezahlbare Autos anbieten zu können. Die entstehenden Verluste tragen die Konzerne natürlich aber nicht allein. So wird der Großhandel (z.B. Volkswagen Dänemark) und der Detailhandel (das dänische Autohaus) mit in das Boot gezogen. Netto, nach Abzug von Betriebskosten und Steuern, verdient ein dänischer Autohausbesitzer am Verkauf eines Neuwagens durchschnittlich um die 650,- €. Mehr verdient wird erst, wenn sein Autohaus eine Zulassung eines dänischen Kunden vorlegt. Dann zahlen die Autobauer Boni bis zu mehreren tausend Euro, je nach dem wie der Konzern das Fahrzeug in Dänemark bewerben möchte. Es ist verständlich, das viele dänische Autohäuser daher die wenigen verfügbaren Neuwagen überwiegend nur an die einheimische Kundschaft verkaufen möchten. Hauptsächlich aber, weil nur diese Kundschaft über das gesamte After-Sales-Geschäft die Zukunft des Service- und Handelshauses sichert.